Artikel zum Podcast: Corporate Startups – Wie neue Geschäftsmodelle neben bewährten entwickelt können

Im Rahmen einer neuen Folge der Podcastserie „Chefsache“ setzen sich Alexander Sonntag (Mitarbeiter beim RKW Kompetenzzentrum) und Christian Wewezow mit dem Thema „Corporate Startups – Wie neue Geschäftsmodelle neben bewährten entwickelt können“ auseinander. 

Welche Rolle nehmen Innovationen in mittelständischen Unternehmen ein und wie verändern sich die Anforderungen an mittelständische Unternehmen?

Auch im Mittelstand ist und bleibt das Thema „Innovationen“ sehr präsent, wobei versucht wird, sich ständig weiterzuentwickeln, um neue Technologien zu integrieren und Produkte zu optimieren. Während der momentanen CoVid-19-Pandemie gibt es dabei unterschiedliche Ansätze. Manche Unternehmen konzentrieren sich mehr auf das Kerngeschäft und die Finanzen und sind weniger innovativ, während andere Unternehmen, welche weniger negativ beeinträchtigt sind, sich trotzdem weiter auf die technische und innovative Entwicklung konzentrieren. Hierbei kann ein gewisser Gegensatz festgestellt werden. Unabhängig von der momentanen Corona-Situation steht das Thema Innovation auch im Mittelstand ganz oben auf der Agenda und gewinnt als Zukunftsthema immer mehr an Bedeutung. Vor allem der Erfolgsfaktor „Geschäftsmodellentwicklung“ hat in den letzten Jahren stark an Bedeutung gewonnen, was nicht zuletzt an einem verstärkten Markt- und Handlungsdruck liegt, wodurch sich Unternehmer zunehmend mit Entwicklungen befassen, was zu einem klaren Umdenken führt. 

Verändert sich auch der Charakter der Innovationen?

Vor einigen Jahren wurde hauptsächlich in die Prozessentwicklung und Optimierung von Prozessen (Maschinen, Gebäude und IT) investiert, was heute schon lange nicht mehr ausreichend ist. Immer wichtiger werden Investitionen in das Controlling, wobei Umsätze und Erträge näher beleuchtet werden. Oftmals sollten Unternehmen aber auch einmal grundlegend ihr Geschäftsmodell hinterfragen, da die Geschäftsmodellentwicklung immer stärker in den Vordergrund rückt. 

Wie gehen KMUs mit dieser Entwicklung um und in welchen Bereichen können Schwierigkeiten auftreten? 

Hierbei kann man oftmals einen eindeutigen Bruch zwischen schon länger bestehenden und jungen Unternehmen erkennen. Startups agieren disruptiver und weniger inkrementell, wenn es darum geht, neue Wege zu identifizieren, zu bewerten und zu gehen. Neue Unternehmer sind meist bestrebt, einen Fußabdruck in der Kultur und dem Geschäftskonzept zu hinterlassen, um diese maßgeblich zu beeinflussen. Dies spiegelt sich auch in Umbruchssituationen, wie der Einstellung eines neuen Geschäftsführers, wider. Diese neuen Strukturen stellen ein großes Potential dar, Chancen zu ergreifen und das Unternehmenskonzept maßgeblich zu hinterfragen, um auch langfristig am Markt erfolgreich zu bleiben. 

Haben die Nachfolger in der Geschäftsführung einen positiven Einfluss auf das Unternehmen?

Oft hat man sehr gute Erfahrungen mit neuen Geschäftsführern gemacht, da diese meist sehr engagiert, ambitioniert und entschlossen auftreten, sodass schon mittelfristig ein sichtbarer Erfolg erzielt werden kann. Auch die Erhöhung des Grades der Digitalisierung spielt bei der Entwicklung neuer Produkte, Technologien und künstlicher Intelligenzen eine entscheidende Rolle, welche auch neben bestehenden Produkten angeboten werden können. Politische und technologische Umbrüche zusammen mit den Einflüssen der Globalisierung eröffnen uns zahlreiche Wege und führen zu einem sich immer weiter verstärkenden Strukturwandel, den man beispielsweise im Bankensektor oder der Automobilbranche besonders stark feststellen kann, wobei auch die Corona-Situation sehr einflussreich ist.  

Bestehen große Herausforderungen, ein neues Geschäftsmodell neben einem bestehenden zu integrieren?

Oftmals gehen mit den positiven Einflüssen auch Probleme einher. Meist wird ein neues Unternehmen in Form einer GmbH gegründet, welche mit Ressourcen, wie engagiertem Personal aus dem alten Unternehmen, aber auch neuen Mitarbeitern ausgestattet wird, wobei typische Tücken eines Startup-Prozesses auftreten können. 

Ist es vorteilhafter, neue Geschäftsmodelle in das bestehende Unternehmen zu integrieren oder ein neues Unternehmen zu gründen?

Man konnte beobachten, dass die Implementierung und Durchsetzung von neuen Geschäftsmodellen in alten, bestehenden Unternehmen oftmals scheitern, da die bestehenden Unternehmenskulturen und Prozesse sehr fokussiert und eng gestaltet sind, sodass es vorteilhafter erscheint, einzelne Mitarbeiter aus diesen Prozessen heraus zu befreien, wobei diese von operativen Tätigkeiten des bestehenden Unternehmens entlastet werden. Gerade bei neuen Technologien mit höherem Risiko stellt die Form eines neuen Unternehmens eine gute Möglichkeit dar, um neue Vorhaben zu realisieren. Allgemein kann man festhalten, dass es von Vorteil ist, auf eine Ausgründung zu setzen, wenn es darum geht, etwas großes Neues zu schaffen. Hierbei spielen Unsicherheit über beispielsweise die Profitabilität, Ressourcen, Kosten, Finanzierung und auch die Zukunftspläne des Unternehmens eine große Rolle, wobei das Konzept individuell angepasst werden muss. 

Was sind die wichtigsten Aspekte, welche Sie bei der Ausgründung Unternehmern mitgeben können?

Hierbei gibt es grundsätzlich große Ähnlichkeiten zu Unternehmensgründungen im Allgemeinen. Man muss dabei überlegen, wie das Geschäftsmodell gestaltet werden soll und wie es sich von anderen am Markt etablierten oder zukünftigen, absehbaren Modellen differenzieren und abheben kann. Einen weiteren wichtigen Punkt stellt die Nachfrage am Markt dar. Auch die Eigenschaften der Führungskräfte, wie Leitungsfähigkeit und ihr Commitment gegenüber der zu realisierenden Idee sowie ihre Passionen sind für den Erfolg des Unternehmens essenziell. Wichtig sind auch die Planung der Prozesse und Strukturen sowie die Rahmenbedingungen der Arbeit und die gewährleistete Sicherheit.

Wie sind die Beziehungen zum alten Unternehmen zu gestalten?

Es gibt verschiedene Verzahnungen zwischen dem neu gegründeten Unternehmen und dem Mutterunternehmen. Zum einen stellen dies die Mitarbeiter und Führungskräfte, aber auch Ressourcen wie Kapital, Räumlichkeiten, Grundstücke und eine gute tragfähige IT-Struktur dar.

Unternehmenskulturen zu trennen.  Bei Sekundärprozessen wie Einkauf, IT, Buchhaltung, Personal und Finanzen können die Ressourcen oft gleichzeitig genutzt werden. Wichtig ist es aber auch hier, individuell im Unternehmen abzuwägen. Essenziell sind ebenso die Fähigkeiten der Unternehmer, wie Selbstständigkeit, Umgang mit Unsicherheit und Flexibilität. 

Zusammenfassend kann man sehen, dass Innovationen immer wichtiger werden und sich stetig verändern. Es werden dabei nicht nur bestehende Geschäftsmodelle ständig angepasst, sondern auch ganz neue Geschäftsmodelle entwickelt. Es besteht die Möglichkeit, ein neues Unternehmen zu gründen und somit neue Ideen zu materialisieren und zu verwirklichen.  Dies sollte mit Experimentierfreude, aber auch Bedacht und genauer Planung geschehen. Corporate Entrepreneurship und Corporate Startups stellen einen weiteren Weg dar, um das Beste aus zwei Welten zu verbinden und dabei Eigeninitiative, eigene Werte und Interessen aktiv in das neue Unternehmen zu integrieren. 

Autoren: Christian Wewezow, Isabel Runkel

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